Lubanga & Mladic
Von Helmut Hetzel
Veröffentlicht: 13 Juli 2012 Zuletzt geändert: 13 Juli 2012
Jetzt muss er ins Gefängnis. 14 Jahre Haft lautet das Urteil des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) für den ehemaligen kongolesischen Rebellenführer Thomas Lubanga Dyilo.
Der Vorsitzende Richter Adrian Fulford hat es gerade verkündet. Lubanga wurde schuldig gesprochen, weil er im kongolesischen Bürgerkrieg 2002-2003 Hunderte, möglicherweise sogar Tausende von Kindern als Kind-Soldaten missbraucht hat. Die jüngsten, die für ihn morden und plündern mussten, waren erst elf Jahre.
Das Urteil ist moderat. Nach Anrechnung der U-Haft muss Lubanga noch acht Jahre hinter Gitter. Es war das erste Urteil, das der Haager Strafgerichtshof ICC in seiner 10jährigen Geschichte fällte. Es hat Signalcharakter für die ganze Welt. Die Welt blickt nach Den Haag. Der ICC schreibt Völkerrechtsgeschichte.
Mladic und der Zeuge
Zwei wichtige Urteile stehen noch aus. Das sind die gegen die mutmaßlichen bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic, dem Ex-Präsidenten der Republika Srspka und Ratko Mladic. Der Prozess gegen Ex-General Ratko Mladic wurde in der zurückliegenden Woche vor dem UN-Jugoslawien-Tribunal fortgesetzt. Die ersten Zeugen traten auf. Erschütternde Szenen im Gerichtssaal. Der heute 34jährige Muslim Elvedin Pasic berichtet, wie er 1992 im Bosnien-Krieg mit seiner Familie und mit Mitbewohnern seines Heimatdorfes Hrvacani vor den Truppen der von Mladic befehligten bosnisch-serbischen Armee fliehen musste. Unter Tränen erzählt er, was geschah, wie er durch die serbischen Soldaten von seiner Mutter, seinem Vater, seinem Onkel getrennt wurde. Seinen Vater, seinen Onkel, hat er nie wieder gesehen. Nur an die zum Abschied winkende Hand seines Vaters erinnert er sich, als er mit anderen Kindern damals in einen Bus stieg, der ihn abtransportierte. ,,Diese Hand sehe ich jede Nacht in meinen Träumen,‘‘ sagt Elvedin Pasic. Er stockt, er weint. Der Vorsitzende UN-Richter, der Niederländer Alphons Orie gewährt dem Zeugen eine Pause.
Dann geht es weiter im Prozess gegen Ratko Mladic. Mladic erleidet im Gerichtssaal einen Schwächeanfall. Sitzung unterbrochen, Mladic im Krankenhaus. Gerichtszenen in der Hauptstadt des Friedens und des Rechts anno 2012 – erschütternd, aber unerlässlich. Denn das Recht muss seinen Lauf nehmen.



